Blair Witch

Ding Dong, die Hexe ist doch nicht tot

Prequels, Sequels und Spin-Offs zeigen uns immer öfter bekannte Geschichten aus anderen Blickwinkeln – das aber kann ganz schön schiefgehen. Blair Witch Project, die Urmutter des Found Footage, hat mit einem zweiten Teil schon einmal für plötzlich auftretende Verdrängungserscheinungen gesorgt. Daher ist es ihnen nicht zu verdenken, wenn ihnen bei der Nachricht eines Sequels der Urmutter des Found Footage das Herz in die Hose rutscht. Zurecht?

blair witch artwork

Es ist 20 Jahre her seit das Filmteam bestehend aus den Studenten Heather, Josh und Mike sich auf der Suche nach der sagenumwobenen Blair Witch in den Black Hills Forest begab und dort spurlos verschwand. Nun will Heathers Bruder James herausfinden, was damals geschah. Gemeinsam mit Freundin Lisa, die passenderweise Filmstudentin ist, und dem befreundeten Paar Ashley und Peter machen sie sich also auf den Weg nach Maryland. Ein Video im Netz hat ihre Aufmerksamkeit erregt: James ist sich sicher, dass seine Schwester darauf zu sehen ist. Die Urheber stellen sich als einheimisches Pärchen heraus, das sich – leicht zugedröhnt und selbst begeistert vom Mysterium – der Gruppe anschließt. Doch der fröhliche Waldspaziergang wird je von grausigen Ereignissen überschattet.

Blair Witch orientiert sich seiner Rolle als Fortsetzung entsprechend sehr am Original aus dem Jahr 1999. Die Handlung ist schlüssig fortgeführt, die Hilfsmittel der Gruppe werden logisch modernisiert, etwa durch eine Drohne oder Kopfkameras für jeden einzelnen. Dennoch glänzt das visuelle Geschehen im Verlauf nicht durch gelungene filmische Horror-Effekte, sondern mündet vielmehr in einer Aneinanderreihung dunkler verwackelter Bilder und Jumpscares. Die Frage ist natürlich, inwieweit ein düsterer Hexenwald als Kulisse für einen Found Footage-Film andere Blickwinkel zulässt.

Es dauert auf jeden Fall nicht lange, bis die nicht überzeichnete, aber im Gegensatz dazu leider recht belanglose Gruppe mit unglücklichen Umständen zurechtkommen muss. Allen voran Ashley, die sich – kaum im Wald angekommen – gekonnt den Fuß verletzt. Natürlich mit einem herzhaften Knacken. Und dieses wird nicht das einzig Denkwürdige in Bezug auf die Verletzung sein. Auch der innere Konflikt ist schnell gesät: Talia und Lane, die Einheimischen, machen sich durch unangebrachte Späßchen unbeliebt. Doch zum Umkehren ist es bereits zu spät: Das Zeitgefühl der Teenager geht verloren und alle zusammen treffen sich nach erstem Zwist und undefinierbarer Zeit des Umherwanderns im Lager wieder. Die Orientierungslosigkeit, die schon die drei Blair Witch-Pioniere im ersten Teil ereilte, ist also zurück. Zeit für einen Drohnenflug!

Diese technische Spielerei sorgt tatsächlich für neue Blickwinkel, die sich vom sonstigen Herumkraxeln im Dickicht des Waldes abhebt. Sie verstärkt die Theorie, dass das Hexenhaus aus dem Internetvideo und von Heathers Aufnahme nicht in der Nähe zu finden sein kann. Weitere Spekulationen entfallen allerdings rasch durch den vorauszuahnenden Absturz der Drohne, der später noch zum Horrorfilmklischee der menschlichen Dummheit führen wird. Schade.

Die größte und im Endeffekt auch einzige echte Neuerung liegt in der Personifizierung des Bösen. Peter wird zwischendurch verfolgt (oder?) und man kann nicht sagen, von was. Zudem gibt es deutlich grausamere Anzeichen des Übernatürlichen als Holzmännchen und Steinhaufen – inklusive einer wirklich bahnbrechenden Todesszene. Als die Hexe dann tatsächlich Form annimmt stellt sich allerdings wieder einmal die Frage: Hilft es dem Film oder zerstört es die Illusion einer dunklen Bedrohung?

Während bei Blair Witch Project 1999 noch darüber spekuliert werden konnte, ob es sich tatsächlich um echte Bilder handelt, ist dieser Zauber mittlerweile nachweislich entkräftet und baut sich auch mit viel Wohlwollen nicht wieder auf.
Blair Witch bildet dennoch eine weitaus sehenswertere Fortsetzung des Originals als der vergessene zweite Teil Book of Shadows – im Nachhinein ist es aber nur logisch, dass die Macher den Film lange im Stillen entwickelten und ihn bis zum Reveal auf der San Diego Comic-Con als The Woods ankündigten, um negative Fanreaktionen abzuhalten.

Das Sequel kann mit dem Ursprungsfilm nicht mithalten. Wer Found Footage liebt, wird sicher seinen Spaß haben. Trotz gelungener Querverweise zum Original und einer in sich runden Geschichte, dominieren aber die kopflose Verwirrung der Teenager und der traurige Moment, als die Hexe durch ihr Erscheinen entmystifiziert wird.


Mit Chris & Pascal vom Horrorfilm-Podcast Devils & Demons habe ich in Folge #58 übrigens auch in Audioform über die Hexe von Blair und ihre drei Filmauftrittte gesprochen. Die Podcast-Website findet ihr hier: https://devilsanddemons.podigee.io/

Hier ist der Direktlink zur Blair Witch-Folge: https://devilsanddemons.podigee.io/61-58_blair-witch

Natürlich findet ihr sie auch über Spotify & jeden gängigen Podcatcher.

 

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