Murdered: Soul Suspect

Kriminalgeschichten aus der Gruft

Einen Mord in einem Detektivspiel aufzuklären, klingt nach einer logischen Verknüpfung. Doch was, wenn es der eigene ist? In Murdered: Soul Suspect schlüpft der Spieler in die Rolle des kürzlich ermordeten Ronan O’Connor, der noch im Moment seines Ablebens einem Serienmörder auf der Spur war. Die Frage nach dem Warum klärt das Spiel mit einer Reihe von Ermittlungen, bei der man kombinieren und Sammelquests abschließen muss, um das gesamte Ausmaß der Story zu enthüllen.

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Eine dunkle Straße im nächtlichen Salem wird zum Schauplatz eines Mordes, als Detective Ronan O’Connor aus dem Dachgeschoss eines Hauses stürzt. Doch er ist noch nicht tot. Erst die Schüsse aus seiner eigenen Waffe erledigen den Cop, abgefeuert von einem maskierten Täter – dem mysteriösen Glockenmörder, der schon seit einiger Zeit den Ort im Staate Massachusetts unsicher macht.

Murdered: Soul Suspect_20180321222953Ronan steht vor einem Rätsel. Durch seinen Tod ist er in die Geisterwelt eingetaucht, ein zweites Salem mit eigenen Regeln und auch eigenen Gebäuden. Bevor er nicht herausfindet, wer ihn warum getötet hat, gelten seine Angelegenheiten auf der Erde nicht als erledigt und er muss als körperlose Erscheinung verweilen. Als (ehemaliger) Detective bringt er zum Glück einige Fähigkeiten mit, die er nun, wo nicht einmal mehr Wände ein Hindernis darstellen, noch effektiver einsetzen kann. Und so geht die Suche nach dem Glockenmörder in die nächste Runde.

Murdered: Soul Suspect ist ein spielerisch eher unaufgeregtes Game, das sein Augenmerk deutlich auf die Story legt. Mit einem Mix aus Tatortuntersuchungen, Kombinationsrätseln und den Handlungsoptionen eines typischen Adventures in der Third Person bekommen Spieler die Möglichkeit, Hinweise zu entdecken und sie dazu zu nutzen, ihre Umgebung zu beeinflussen. Etwa wenn sie in die Köpfe von Anwesenden schlüpfen, um ihnen mit dem richtigen Impuls bei ihren Gesprächen auf die Sprünge zu helfen. Ein optionaler, aber großer Teil der Aufgaben sind außerdem die Sammelquests. Das storystarke Spiel bietet nicht nur einen spannenden Kriminalfall, sondern auch Hintergrundinfos zu Ronan, seiner Frau Julia oder dem Ort der Geschehnisse. Denn wer Salem nicht nur als Kater aus „Sabrina – Total verhext!“ kennt, hat sicher bemerkt, dass hier im 17. Jahrhundert die bekannten Hexenprozesse von Salem stattfanden.

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Hinzu kommen spezielle Sammeloptionen in jedem Gebäude, das im Laufe der Story untersucht wird – nach einem erfolgreichen Abschluss erwarten einen kleine Geistergeschichten, die mit einigen Abwandlungen an wahren Begebenheiten wie dem Fall von Elisa Lam orientiert zu sein scheinen. Ebenso tauchen neben den herumwandernden Seelen, die ihr Dasein in der Zwischenwelt fristen und auch gern mal die Hilfe des Detectives á la Ghost Whisperer in Anspruch nehmen, ab und an Geister auf, deren Verhaltensweisen oder Aussagen an Übeltäter aus dem wahren Leben erinnern oder zumindest jedem normalen Menschen recht schräg vorkommen. Zum Beispiel wären da ein Geistermann im Kinderzimmerschrank oder ein verirrter Fleischer mit Hackebeil auf dem Friedhof. Murdered: Soul Suspect ist trotz des Geisterthemas nicht übermäßig gruselig. Doch Schauermomente bei solchen Begegnungen sind nicht ausgeschlossen.

Murdered: Soul Suspect_20180321232212Besonders anspruchsvoll sind die Aufgaben insgesamt nicht. Die Rätsel können nach genügend Anläufen nur gewonnen werden und mehrfache Fehlversuche resultieren lediglich in einem Abzug auf einer Skala von Polizeimarken, die anzeigt, wie gut man kombiniert hat. Das kann den Ehrgeiz anstacheln, ist aber ansonsten nicht von Belang. Wer gern von Puzzles herausgefordert wird, ist daher wohl eher enttäuscht. Ganz im Gegensatz zu Geschichtsenthusiasten: Da die Kombinationsmomente alle am Fall orientiert sind, zahlen sie gezielt aufs Spiel ein und stützen so die Erzählung, die man mit Ronan durchlebt.
Kniffliger sind da schon die freiwilligen Sammelaufgaben, die erfordern, jede noch so gut versteckte Ecke der Level zu durchkämmen. Beim Herumstromern kommt es im Verlauf immer mal wieder zur Konfrontation mit Dämonen. Zwar gibt es keine Kämpfe, überlisten muss man die Höllenbewohner aber mit Quicktimeevents, die gern mal in einer Verfolgungsjagd enden.

Allerdings nicht ins Unendliche. Der Aufbau der gesamten Spielumgebung wird geschickt vom geisterhaften Parallel-Salem bestimmt. Die Geistergebäude und Mauern, die man auch als Seelenwanderer nicht durchschreiten kann, sehen nicht nur historisch aus, sie schlagen visuell auch eine Brücke zwischen den Zeiten, um die es geht, indem sie teilweise in die Bauten des Hier und Jetzt integriert sind. So bieten sie Zwischenräume für Sammelobjekte und stecken das Gebiet ab, damit man sich ohne Karte nicht noch mehr verläuft, als ohnehin schon. Gleichzeitig wird dem Spieler nicht das Gefühl einer großen Spielwelt genommen.

Murdered: Soul Suspect_20180322103829Dennoch sind dem Entwickler Square Enix auch einige kleine Schnitzer passiert. Der Ausflug als Katze an einigen Stellen macht zum Beispiel Laune. Doch dass der Gestaltenwechsel einem lediglich hilft, neue Wege zu erkunden, ist schade. Immerhin kann man lauthals miauen und theoretisch – so dem Volksmund nach – auch alles Geisterhafte sehen. Weitergehende Interaktionen mit der Umgebung sind trotzdem nicht drin.
Der größte Fauxpas findet sich allerdings am Ende des Spiels. Wer einmal die Endszene durchgegangen ist, kommt nicht mehr zurück. Und das ist bei einem Spiel, das sich so sehr auf Sammeleien stützt, nahezu unüberlegt.

Wer sich Murdered: Soul Suspect stellen möchte, bekommt insgesamt ein rundes Spielerlebnis mit zugänglichem, leicht von der Hand gehendem Rätselcharme präsentiert. Schicker Stealth-Horror für Sammelfans, die einen spannenden Kriminalfall mit übernatürlichen Elementen erleben wollen.

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