Top 10: Filme, die mich prägten

Von bösen Kätzchen und Geistergeschichten

Was ist dein Lieblingsfilm? Auf diese Frage weiß ich irgendwie nie eine spontane Antwort. Ich bin niemand, der Filme oft hintereinander immer wieder sehen kann. Ich mag keine Komödien und auch keine Nicholas-Sparks-Gedächtnis-Schnulz-Filme. Dafür stehen Geister, Schauergeschichten, spannende Thriller und History bei mir sehr hoch im Kurs. So viel weiß ich.

Als auf Facebook nun einige Freunde und Bekannte bei einer Challenge zehn Tage lang die Filme vorstellten, die sie geprägt haben, habe ich nochmal genau darüber nachgedacht. Ein absoluter Lieblingsfilm ist dabei zwar nicht herausgekommen, dafür aber sehr persönliche Top 10 mit Filmen, die ich immer wieder gern aus dem Regal krame – oder denen ich mich wie im ersten Fall endlich mal stellen muss.

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Rainer Sturm / pixelio.de

[Walt Disney, Der Herr der Ringe und die Harry Potter-Filme sind an dieser Stelle der Fairness halber ausgeklammert. Aus der Reihenfolge ergibt sich keine Präferenz – die Filme sind chronologisch entsprechend ihres Erscheinungsjahres angeordnet.]

  1. Friedhof der Kuscheltiere (1989)

Jeder hat doch diesen Film, der einen so sehr gegruselt hat, dass man noch lange mit der Furcht davor zu tun hatte. Für mich ist das Friedhof der Kuscheltiere. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, aber ich habe den Film nicht nur ein, sondern insgesamt vier Mal nachts im Free TV erwischt und bin immer nur bis zu der Szene gekommen, in der Familienvater Louis Creed einen verletzten Studenten auf dem Krankenhaustisch hat und dieser ihn röchelnd vor der Gefahr warnt, die vom Tierfriedhof ausgeht. Mein Zeitgefühl geht hier vollkommen verloren. Aber: Wikipedia widmet sich dieser Situation bereits im zweiten Absatz – lange habe ich es also nie ausgehalten.

Der Moment, in denen der Patient aufwacht, hat mich immer total verschreckt. Und bis heute habe ich weder den Film, noch das Buch nachgeholt. Aber ich werde es tun! Inmitten eines Haufens aus Kissen, in dem ich mich verstecken kann.

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  1. Titanic (1997)

Hier muss ich ungewollter Weise einmal voll in das Kitsch-Klischee reingrätschen. Titanic, die Schnulze aller Schnulzen, gefällt mir tatsächlich. Der Grund: Meine Mama hatte den wunderbaren Soundtrack von James Horner im CD-Regal und ich habe ihn viele viele Abende ganz andächtig auf meinem Discman zum Einschlafen gehört. Beim nächsten Einkaufsbummel konnte ich mein Taschengeld dann einfach nicht bei mir behalten. Seine erste DVD sollte man doch in Ehren halten, oder?

Die fiktive Liebesgeschichte inmitten einer wirklich geschehenen Tragödie kennt ihr alle: Rose, Tochter aus gutem Hause, und Jack, ein armer Künstler, treffen sich an Bord des legendären Schiffes Titanic, das die Passagiere auf seiner Jungfernfahrt von South Hampton nach New York bringen soll. Auch wenn ihre gesellschaftliche Stellung es nicht erlaubt, lernen die beiden sich besser kennen und verlieben sich ineinander. Als das Schiff mitten im Nordatlantik einen Eisberg rammt, nimmt das Drama seinen Lauf. Man geht davon aus, dass in dieser Nacht um die 1.500 Menschen ums Leben kamen.

Der Film ist wie ein Bericht der gealterten Rose aufgebaut, die einem Forscherteam ihre Sicht der Katastrophe schildert. James Cameron legte als Regisseur großen Wert auf die historisch korrekte Nachbildung des Schiffes und die Umsetzung des Untergangs. Sogar einige Charaktere entsprechen tatsächlichen Vorbildern, so etwa Molly Brown, gespielt von der in meinen Augen großartigen Kathy Bates. 

Manche Randaspekte wurden zugunsten der Dramatik dann aber doch eher spekulativ behandelt: Das Einsperren der dritten Klasse fand mehreren Berichten zufolge zum Beispiel nicht statt. Zwei Herren traf die geschichtliche Verdrehung besonders schwer: Bruce Ismay, Direktor der White Star Line, die die Titanic baute, wurde ebenso wie der erste Offizier William  Murdoch als Feigling dargestellt, was beide, verständlicherweise, in kein gutes Licht rückte.

Insgesamt findet der Film dennoch einen guten Mix aus den Mythen, die kursierten, und dem tatsächlich Geschehenen und sieht vor allem für seine Zeit wirklich gut aus – auch heute noch. Und um noch einmal auf den Soundtrack zurückzukommen: Er ist großartig. Ich kann damit leben, dass eine Liebesgeschichte in dieser Top 10 gelandet ist. Immerhin geht es außerdem um ein geschichtliches Ereignis. Alle weiteren Schnulzen dürft ihr gern ohne mich anschauen.

Wer sich mehr für die echten und unechten Hintergründe interessiert, sollte einmal hier vorbeischauen: https://theculturetrip.com/north-america/canada/articles/the-historical-accuracy-of-james-camerons-titanic-unsinkable/

https://www.bustle.com/p/11-things-the-titanic-movie-got-wrong-about-the-real-life-tragedy-

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  1. Die Mumie (1999) / Sleepy Hollow (1999)

Den dritten Platz teilen sich zwei Werke, die mit übernatürlichen Kreaturen aufwarten: Branden Fraser und Johnny Depp stellen sich in Die Mumie und Sleepy Hollow Schreckgestalten, einer Mumie und einem kopflosen Reiter, der eine in der Wüste, der andere in einem verschlafenen Gruseldörfchen mit angrenzendem Gruselwald. Irgendwie waren Richard O’Connell (Branden) und Ichabod Crane (Johnny) schon so etwas wie Ritter meiner Kindheit für mich. Doch nur, weil ich die beiden Werke ob ihrer Bedeutung für mich auf einen Platz setze, möchte ich sie nicht in einen Topf werfen. Daher noch ein genauer Blick auf beide Kandidaten:

Warum ich mich schon so früh für Die Mumie interessierte, liegt wohl vor allem an meinem Faible für die Mythen rund um die ägyptische Kultur, auf die Stephen Sommers in seiner Neuauflage der Mumie aus dem Jahre 1932 eingeht.
Der Film spielt in den 1920ern und konzentriert sich mit dem verwegenen Rick O‘Connell, der leicht nerdigen Bibliothekarin Evelyn Carnahan und ihrem aufschneiderischen Bruder Jonathan auf ein recht ulkiges Helden-Dreigespann. Ich hatte immer eine kleine Schwäche für Evelyn, die sich im Laufe der Handlung von der unterschätzten Blitzbirne zu einer wahren Kämpferin mausert. Bücherwurm-High-Five!

Die Gefährten sind der legendären Totenstadt Hamunaptra auf der Spur, in der das goldene Buch des Amun-Ra liegen soll – ein Relikt, das die wissbegierige Evy zu gern finden würde. Die Mumie wäre aber kein Abenteuerfilm, wenn ihnen dabei nicht eben jene über den Weg laufen würde: Vor mehreren tausend Jahren verrieten Hohepriester Imhotep und seine Geliebte Anck-Su-Namun den Pharao, was vom Gefolge des Königs nicht sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Durch ein unglückliches Versehen kann Imhotep in der (filmischen) Jetztzeit als Mumie wiederkehren und das Ziel verfolgen, seine Verblichene wiederzubeleben. Als Körper soll ausgerechnet Evelyn dienen.

Auch in diesem Film wurde auf eine historische Figur (Imhotep) zurückgegriffen, allerdings war die akkurate Darstellung bis auf den möglichst wahrheitsgemäßen Gebrauch der Sprache insgesamt eher nebensächlich. Anstatt auf den Grusel der Mumie als Horrorfigur zu setzen, enthält der Film viele witzige Passagen, die ihn zu leichtem Unterhaltungs-Kino machen. Zu seiner Erscheinungszeit wurde die Effekte hochgelobt. Ein kürzlicher Rewatch zeigte allerdings, dass diese im Laufe der Jahre doch etwas gelitten haben. Das ändert aber nichts an der runden Geschichte, die dem Zuschauer ohne Längen geboten wird.

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Genau wie Die Mumie spielt auch Sleepy Hollow oft mit einem Augenzwinkern, auch wenn die Inszenierung weitaus brutaler und ja, auch gruseliger ist.

Das kleine Städtchen liegt abgeschieden und eignet sich daher wunderbar für einen seltsamen Kauz wie Ichabod Crane. Der Constable eckte mit seinen neuartigen Aufklärungsmethoden, der gezielten Ermittlung im Gegensatz zur Folter, bei den Kollegen an und wurde daraufhin in die Abgeschiedenheit entsendet. In seinem neuen Auftragsgebiet verliebt sich der junge Mann nicht nur in die hübsche Katrina, sondern macht neben dem intriganten Spiel der Dorfbewohner auch noch eine weitere besondere Entdeckung: Seine Herangehensweise muss bei Mördern aus dem Jenseits nochmal überdacht werden.

Der junge Johnny Depp ist in seinen Rollen wie Edward mit den Scherenhänden oder eben Crane mein erster Lieblingsschauspieler geworden. Vor allem in Zusammenarbeit mit Regisseur Tim Burton und / oder Komponist Danny Elfman konnte (zumindest lange Zeit) nichts schief gehen. Er gibt dem verschrobenen Constable einen Witz, der manchmal fast deplatziert scheint, aber mit seinem Charakter eine wunderbare Ergänzung zum Rest der Filmelemente bildet. 

Im Jahr 2000 erhielt das Werk nicht umsonst mehrere Auszeichnungen für das Szenenbild. Der schaurige Wald, die düsteren Geschichten, gemischt mit den Erinnerungen Cranes ergeben eine so stimmige Atmosphäre, dass man sich trotz der  präsenten Komik gut auf die Schauermomente einlassen kann, die die übernatürliche Kriminalgeschichte bietet.

Sleepy Hollow kann mit seiner Geschichte, die übrigens auf einer Erzählung von Washington Irving basiert, die mich im Kindesalter schon in Form eines Disney-Films verzaubert hat, im direkten erzählerischen Vergleich weitaus mehr überzeugen als Die Mumie, nicht nur weil Tim Burton und Johnny Depp gemeinsam einen ihrer stärksten Momente abliefern. In mein Filmherz gehören sie aber definitiv beide.

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  1.  The Sixth Sense (1999)

„Ich sehe tote Menschen“. Ich kann nicht sagen, dass mich das weniger überraschte als Bruce Willis aka Malcolm Crowe, der das von seinem jungen Patienten Cole hörte. Geistergeschichten waren immer irgendwie mein Ding und ich wollte unbedingt wissen, wieso Cole Geister sehen konnte (und ich nicht). The Sixth Sense sorgte außerdem für den ersten echten Mindfuck-Moment meiner Filmgeschichte. Allein deshalb hat er hier seinen Platz verdient.

Ein Jahr, nachdem er von einem Patienten attackiert wurde, findet sich der Kinderpsychologe Malcolm Crowe langsam wieder in seinen Alltag ein. Der Fall des Jungen Cole kommt ihm dafür gerade recht: Niemand glaubt, dass das Kind wirklich Geister sehen kann. Er stürzt sich in die Arbeit, auch weil es in seinem Privatleben weniger rund läuft. Seine Frau und er haben sich entzweit. Als Psychologe fällt es ihm natürlich schwer, an Geister zu glauben. Doch sein Patient kann ihm unumstößliche Beweise für dieses Phänomen liefern.

Bruce Willis wird von vielen eher als Action-Held gefeiert. Da das nicht unbedingt meine Baustelle ist, habe ich mich sehr gefreut, ihn in einer weitaus ruhigeren, emotionaleren Rolle kennenzulernen. Mit Crowe und Cole erlebt der Zuschauer ein Gespann, bei dem man wirklich mitleidet, denn beide haben mir ihrer gegenwärtigen Situation zu kämpfen. Die Verbindung zur Geisterwelt bringt nicht nur Gänsehautmomente, sondern auch einige Fragen mit sich, die zum Nachdenken anregen. Was passiert, wenn ein Mensch stirbt? Vor allem, wenn dies gewaltsam passiert?

Trotz der Geister, die als echte Personen gezeichnet vom Moment ihres Todes auftreten, handelt es sich hier aber nicht um einen Horrorfilm, sondern um einen eindringlich inszenierten Psycho-Thriller. Die Perspektiven und Schattenspiele, die Regissuer Shyamalan umsetzt, machen schon einen großen Teil der Stimmung aus, wie bereits im Trailer erkennbar ist.
The Sixth Sense steht in meinen Augen zurecht auf der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Ein großes Kompliment sollte an dieser Stelle auf jeden Fall noch an Haley Joel Osment ausgesprochen werden. Ja, das steht in jeder Kritik zu The Sixth Sense. Aber er hat auch einfach einen hervorragenden Job gemacht!

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  1. Blair Witch Project (1999)

Zeit für einen meiner Lieblingshorrorfilme!
Als ich Blair Witch Project das erste Mal gesehen habe, wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Darf man solches Videomaterial von verschwundenen Personen überhaupt zeigen? Damals war ich mir nicht so ganz sicher, ob ich wirklich glaube, was ich das sehe. Aber es hätte ja sein können. Das hat mich unglaublich fasziniert.
Heute ist Found Footage fast ein alter Hut. Aber es ist mir eine Freude, in dieser Aufstellung DEN Klassiker des Genres vorzustellen.

Um der Legende der Hexe von Blair auf die Spur zu kommen, begeben sich die Filmstudenten Heather, Josh und Michael in die Stadt Burkittsville in Maryland. Die Einwohner sind sich uneins: Gibt es die Blair Witch nun oder nicht? Das Trio wird es bald erfahren. Denn je mehr Zeit sie im Wald verbringen, desto gruseliger wird ihr eigentlich harmloser Camping-Trip.

Dass erfundene Fakten in Serien und Filmen als echt dargestellt werden, ist an sich kein neuer Trick. Die Regisseure Daniel Myrick und Eduardo Sánchez haben dieses Prinzip aber so ausgereizt, dass das Verschwinden der Protagonisten allgemeinhin als wahr angenommen wurde – inklusive Beileidsbekundungen für die Eltern. Der inhaltliche Ablauf war zwar grob geskriptet, der Film besteht aber genaugenommen aus den Improvisationen der Darsteller. Um dies so authentisch wie möglich zu machen, führten sie die Kameras nach einer Einführung selbst und wurden im Wald mit Anweisungen zum weiteren Handeln versorgt. Ebenso wie mit Nahrung, die nach und nach rationiert wurde – wir haben also vielleicht keine Hexenforscher, aber auf jeden Fall ein sehr hungriges Trio vor uns, wenn wir den Film sehen. Welche Auswirkungen das hatte, beschreibt Darsteller Joshua in einem Interview mit The Guardian.

Die Schockeffekte in Blair Witch Project entstehen vor allem durch den Blickwinkel aus Sicht der Beteiligten. Es geht eher um Gedankenspiele und Symbolik als um Monster, die einem aus einer dunklen Ecke entgegenspringen. Die Kulisse des irgendwie friedlichen, aber gleichzeitig so ausweglosen Waldes tut ihr übriges. Willkommen in der Wildnis.

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  1. The Secret Window (2004)

Viele Leute, die ich kenne, sind große Fans von Stephen King. Und zum Beispiel Shining ist, so muss ich unterschreiben, eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Mein erstes King-Werk allerdings war Frühling, Sommer, Herbst und Tod. Es ging um Die Verurteilten, Kriegsverbrecher aus der Nachbarschaft, Stand by me und ein medizinisches Phänomen. Ich las das Buch zwar zu Ende, dachte aber direkt: Der ist doch nicht ganz dicht (, was meine Abneigung zum Friedhof der Kuscheltiere unterstreicht).
Dessen bin ich mir heute noch sicher. Auf eine mysteriöse, oft beunruhigende Art ist da etwas nicht in Ordnung. Und das hat zu einem meiner Lieblingsfilme geführt.

Das geheime Fenster, geheimer Garten basiert ebenfalls auf einem Sammelband, wie es Frühling, Sommer, Herbst und Tod ist. Johnny Depp spielt in der Verfilmung einen Schriftsteller, der inmitten seines einsamen Daseins als frisch getrennter Mann plötzlich von einem Unbekannten bedroht wird, der behauptet, Das geheime Fenster, Mort Raineys bekanntestes Werk, würde eigentlich aus seiner Feder stammen. Während Rainey also verzweifelt versucht, innerhalb der gegebenen drei Tage seine Urheberschaft zu beweisen, geht der Fremde über Leichen. Und schließlich muss der Schriftsteller feststellen, dass es doch eine Verbindung zwischen ihnen gibt.

Die auf wenige Figuren konzentrierte Handlung nimmt den Zuschauer auf eine Verfolgungsjagd mit, die sich komplett aus Mort Raineys /Johnny Depps Sicht abspielt. Für ihn geht nach der Trennung von seiner Frau Amy einfach alles schief und er zieht sich in die Abgeschiedenheit eines fast symbolischen Häuschens am See zurück, geplagt von einer Schreibblockade. Die Ruhe dieser Distanz zum Rest der Welt äußert sich auch in der Inszenierung, die sich nur langsam vorwärtsbewegt. Für wen ein Thriller automatisch viel Action bedeutet, der wird mit Das geheime Fenster eher nicht glücklich werden – der Mystery-Faktor und das Hinarbeiten auf ein Schlag-auf-Schlaf-Finale dominieren. Insgesamt liefern sich Johnny Depp und John Turturro als sein Widersacher Shooter ein schauspielerisches Duell, das Spaß macht. Ebenso wie der schleichende Handlungsaufbau, wenn man sich denn auf die Atmosphäre einlassen mag.

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  1. Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (2006)

Ich bin nicht direkt ein Anime-Fan. Als Kind habe ich viele Serien geguckt, Pokémon, One Piece, vor allem Detektiv Conan. Filme dieses Genres hatten es aber immer deutlich schwerer bei mir. Bis ich Das Mädchen, das durch die Zeit sprang sah. Ich weiß noch, dass ich am Schreibtisch saß und nebenbei den Fernseher laufen hatte. Eigentlich dachte ich mir nicht viel bei dem Film. Teenie-Kram aus Zeichentrick halt. Es dauerte aber nicht lange, bis die Handlung mich so eingenommen hatte, dass ich schlussendlich mitten in der Nacht heulend vor dem Fernseher saß.

Makoto ist ein typischer Anime-Teenager: Ein bisschen schusselig, aufgedreht und auf keinen Schultest dieser Welt vorbereitet. Durch einen seltsamen Zufall stolpert sie über ein Objekt, das es ihr erlaubt, in der Zeit zu springen. Eine Prüfung? Kein Problem. Peinliche Situationen? Einfach nochmal erleben, diesmal ohne Fettnäpfchen. Doch wie bei jedem Zeitreisenden tritt der unweigerliche Moment ein, in dem Makoto erfahren muss, dass es nicht ratsam ist, im Gefüge der Zeit herumzupfuschen.

Mir war Makoto damals irgendwie sympathisch, weil sie nicht zu einer schnatternden Meute Girlie-Girls gehört, sondern stattdessen lieber mit ihren beiden besten Freunden Baseball spielt. Ihr muss trotz ihres Alters nicht das Klischee eines hormongesteuerten Teenagers aufgedrückt werden. Stattdessen erlebt sie innerhalb einer fast übernatürlichen Situation, wie es ist, das erste Mal Gefühle zu entwickeln und zu reflektieren, was hätte sein können.
Die Umsetzung im Zeichentrick-Stil kollidiert dabei keinesfalls mit der Coming-of-Age-typischen Geschichte (und an dieser Stelle sei gesagt, dass ich sowas oft genauso wenig abgewinnen kann wie überromantisiertem Liebeskitsch (außer Titanic, s.o.)).

Heute glaube ich, es ist dem Mädchen, das durch die Zeit sprang, zu verdanken, dass ich die Ghibli-Filme so mag. Danke, Makoto.

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Das Ranking wird in der nächsten Woche finalisiert.